top of page

Am Anfang war das spielende Kind

​In der Erinnerung meiner Jugend war die Freude eine Frucht zu betasten, zu schälen oft grösser als der Genuss sie zu essen, das ist immer noch so.

Beim Früchteschälen glaubt man, die Formen und ihre Entstehungs-weise zu kennen. Es ist jedoch immer eine Überraschung dabei, weil vor meinen Augen etwas geschieht, was ich nur ungenau voraussehen kann.

Diese Beobachtungen führten mich dazu, die Haut als eigenständiges plastisches Element zu betrachten.

Was mich an dem Konzept „Haut“ interessiert ist seine Plastizität, die Qualität der Haut als Grenze zwischen innerer und äußerer Welt und als Abbild von Zeit und Befinden welches man erahnen kann. Denn in meinen Arbeiten befasse ich mich mit Zeitzeichen. So trägt die Rinde – die Haut – eines Baumes Zeichen vergangener Zeiten. Das hat mich dazu bewogen, einen Abguss der Rinde einer Kiefer zu realisieren. Der Abguss dieser Oberfläche ist der Startpunkt für viele meiner Arbeiten.

 

Es ist eine ästhetische und konzeptuelle Matrix, das Zentrum meines Forschungsgebietes.

 

Ich habe öfters die Formen von geschälten Clementinen benutzt und sie als Silhouetten gebraucht. Daran gefällt mir die Geste, einen Körper in einem einzigen Arbeitsgang am Stück zu schälen und flach in der Horizontalen auszubreiten. Diese Formen sind sehr inspirierend, eine Welt wie eine Seekarte oder eine Landschaft. Für andere Werke habe ich die Form von Objekten z.B. von getrockneten Fischen oder von Skulpturen und von Erinnerungsfotos verwendet. Dadurch erscheinen neue Formen in den Reliefs: Teile eines Gesichtes, Wagenräder. Die Ausbreitung in der Horizontalen ist wie das Öffnen eines Buches, ein Gesicht wird auf neue Art lesbar.

Meistens jedoch ist die Farbe Teil des Materials. Ich färbe meine Papiere, dadurch erstelle ich für jedes Werk eine Palette. Bei der Herstellung eines Abzugs benutze ich die Farben ohne ihnen eine figurative Bedeutung zu geben.

Ich verwende die Fotos von Personen aus meinem familiären Umkreis im Sinne von Archetypen, es geht mir nicht um die Person. Ausgebreitet auf einem Tisch werden die Gesichtsorgane im geschälten Abzug aus ihrem natürlichen Kontext gebracht. Das Gesicht wird zwar unkenntlich gemacht, aber es bleibt auch in der fragmentierten Darstellung ein ganzes Gesicht. Der geschälte Kopf aus Papier erscheint wie eine gezackte Insel. Die Formbrüche sind wie Erinnerungslücken, ein Nachklang des Vergehens der Zeit, wo Erinnern und Vergessen ganz nahe bei einander liegen.

  • w-facebook
  • Twitter Clean
  • w-flickr
bottom of page